Verschiedenes  |  23.07.2026

“Man sollte nichts als selbstverständlich betrachten”: Ein Gespräch mit der wissenschaftlichen Referentin Kateryna Militsyna

Vor vier Jahren, zu Beginn der russischen Großoffensive in der Ukraine, verließ Kateryna Militsyna ihr Heimatland mit nur einem Koffer und nahm ein Stipendium am Institut an. Was folgte, war nicht nur eine erfolgreiche Doktorarbeit über generative KI und Urheberrecht, sondern auch eine tiefgreifende persönliche Reise, bei der sie in einem fremden Land von vorne anfangen musste. In diesem Interview blickt sie – mittlerweile als wissenschaftliche Referentin am Institut tätig – auf Resilienz, Forschung und die Lehren zurück, die außergewöhnliche Umstände vermitteln können.

Dr. Kateryna Militsyna. Foto: Hella Schuster

Du bist vor vier Jahren unter dramatischen Umständen aus der Ukraine zu uns gekommen – genau zu Beginn des großangelegten Angriffskriegs Russlands. Wie war es für dich, gleichzeitig dein Heimatland verlassen zu müssen und an einem fremden Institut in Deutschland neu anzufangen?


Kateryna Militsyna: Meine Heimat verlassen zu müssen, fühlte sich an, als wäre mir der Boden unter den Füßen weggezogen worden. In einem Augenblick hörten das Leben, das ich kannte, und die Zukunft, die ich mir vorgestellt hatte, auf zu existieren. Dadurch war ich in Ungewissheit zurückgelassen und wusste nicht, wo ich wieder festen Boden unter den Füßen finden könnte. Paradoxerweise hat mir gerade diese Ungewissheit auch eine tiefe Klarheit geschenkt, denn extreme Umstände legen offen, was wirklich wichtig ist, und lassen alles andere verblassen. Für mich brachte all das Zweifel, Erwartungen und Ängste zum Verstummen, die mich sonst vielleicht zurückgehalten hätten, und gab mir den Mut, zu handeln und den Schritt ins Unbekannte zu wagen.


Ein Neuanfang in Deutschland fühlte sich an wie der Eintritt in eine terra incognita – eine neue Sprache, neue Menschen sowie neue Traditionen und Gewohnheiten, die ich nicht länger aus der Distanz beobachtete, sondern von innen heraus erlebte. Was zunächst fremd und manchmal beängstigend war, wurde nach und nach wieder zu einem Ort, an dem ich festen Boden unter den Füßen spüren konnte. Dafür werde ich Deutschland, dem Institut und den Menschen, die ich dort kennenlernen durfte, immer dankbar sein.


Was hat dich damals bewogen, ausgerechnet hier deine Forschung fortzuführen – und was wusstest du über unser Institut, bevor du ankamst?


K.M: Das Institut, die Qualität seiner Forschung und seine Bibliothek genießen internationales Renommee. Als ich die Zusage erhielt, dem Institut beitreten zu können, erschien mir diese Möglichkeit fast zu gut, um wahr zu sein. Manche fragten mich sogar, ob ich sicher sei, dass das Angebot echt sei und es sich nicht um irgendeine Form von Betrug handle.


Ich erinnere mich auch daran, bereits 2021 von dem von Heiko Richter geleiteten Projekt des Instituts gelesen zu haben, das schließlich 2023 in der Veröffentlichung von Competition and Intellectual Property Law in Ukraine mündete. Nach meiner Ankunft in München erhielt ich die Gelegenheit, mich in der Schlussphase an diesem Projekt zu beteiligen und einen Beitrag zu dem Band zu verfassen.


Heute, im Rückblick, wird mir bewusst, dass mir die Möglichkeit, Teil des Instituts zu werden und mit seinen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zusammenzuarbeiten, ein sehr viel tieferes Verständnis dafür vermittelt hat, was hinter der außergewöhnlichen Forschungsleistung des Instituts und seinem beständigen Engagement für die Freiheit der Wissenschaft steht.


Kannst du uns erklären, woran du in deiner Doktorarbeit geforscht hast – und was dich ursprünglich zu diesem Thema geführt hat?


K.M: In meiner Dissertation untersuchte ich, unter welchen Voraussetzungen Verwendung von generativer KI (GenAI) zu Outputs führt, die keinen urheberrechtlichen Schutz genießen, und welcher rechtliche Rahmen für solche Outputs gegebenenfalls am sachgerechtesten ist.


Mein Interesse an diesem Thema entstand bereits 2018 während meines Masterstudiums. Der Begriff „GenKI“ war damals noch nicht gebräuchlich. Dennoch zeichneten sich bereits die ersten KI-basierten Apps zur Bearbeitung von Inhalten ab, auch wenn sie mit den heute verfügbaren Werkzeugen noch kaum vergleichbar waren. Noch größere Aktualität gewann das Thema im Jahr 2021, als mehrere Gesetzesinitiativen zur Reform des Urheberrechts in der Ukraine die Einführung eines neuen sui generis-Rechts für nicht-originelle computergenerierte Objekte vorsahen, das auch KI-Outputs erfassen sollte, die außerhalb des urheberrechtlichen Schutzbereichs liegen.


Interessanterweise wurde zu Beginn meiner Forschung bezweifelt, ob dieses Thema tatsächlich ein vielversprechendes Forschungsfeld darstelle. Heute zeigt sich, dass die KI eine Vielzahl rechtlicher Fragen aufgeworfen hat, die weit über das Urheberrecht hinausreichen. Dies verdeutlicht, dass es sich nicht um eine vorübergehende Fragestellung handelte, sondern um ein bedeutendes Gebiet der Rechtswissenschaft, das die juristische Forschung noch über viele Jahre hinweg beschäftigen würde.


In vier Jahren passiert in einer Dissertation wissenschaftlich viel: Gab es einen Moment, in dem du gemerkt hast, dass dein Projekt wirklich funktioniert – einen echten Durchbruch oder eine Erkenntnis, die alles verändert hat?


K.M: Vielleicht findet dieser Moment gerade statt.


Auf einer der Konferenzen stieß mein Ansatz zur Abgrenzung zwischen urheberrechtsfähigen und nicht urheberrechtsfähigen KI-Ergebnissen auf heftige Kritik, da er dem Schaffensprozess eine herausragende Rolle zuwies, anstatt sich ausschließlich auf das Ergebnis selbst zu konzentrieren.


Heute steht der Schaffensprozess im Mittelpunkt der Diskussion. Da sich KI-Ergebnisse zunehmend nicht mehr von von Menschen geschaffenen Werken unterscheiden lassen, bildet gerade der Schaffensprozess eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Urheberrechtsfähigkeit und die Abgrenzung zwischen geschützten und ungeschützten Ergebnissen. Ebenso konvergieren neue nationale Ansätze, einschließlich der Rechtsprechung, obwohl sie sich in bestimmten Punkten unterscheiden, zunehmend in der Auffassung, dass der Schaffensprozess ein relevanter Faktor bei der Entscheidung ist, ob ein bestimmtes KI-Ergebnis für den Urheberrechtsschutz in Frage kommt.


Diese Erfahrung hat mich auch gelehrt, wie man mit Kritik umgeht. Eine inspirierende Person sagte mir einmal, dass Kritik immer wertvoll ist: Ist sie fundiert, deckt sie Schwächen in der eigenen Argumentation auf und bietet die Gelegenheit, das Thema zu überdenken; ist sie es nicht, spornt sie dazu an, die Argumentation zu verfeinern und stärkere Argumente zur Untermauerung der eigenen Position zu entwickeln. Dieser Rat ist mir seitdem im Gedächtnis geblieben.


Die Verteidigung deiner Doktorarbeit hast du per Online-Interview absolviert. Wie war das für dich – ein so wichtiger Moment im Leben, und du sitzt dabei vor einem Bildschirm?


K.M: Natürlich hatte ich mir diesen Tag anders vorgestellt. Dennoch ist es wichtig, unter allen Umständen flexibel und kreativ zu bleiben. Und auch wenn ich meine Dissertation online verteidigt habe, tat ich dies vom Institut aus, eingetaucht in dessen akademische Atmosphäre und unterstützt von Familie, Freunden und Kollegen – sowohl von denen, die persönlich bei mir waren, als auch von denen, die diesen wichtigen Moment aus der Ferne miterlebten.


Wie hat sich dein Alltag hier in Deutschland und am Institut angefühlt – was war überraschend anders als erwartet, und was hat dir geholfen, anzukommen?


K.M: Ich beginne mit dem Ende der Frage. Rückblickend wird mir klar, dass mir nicht „das Was“, sondern „die Menschen“ dabei geholfen haben, mich einzuleben. Es waren die Menschen, die mich – bewusst oder unbewusst – in diesem Prozess unterstützt haben.


Sie haben mich in deutsche Traditionen und Alltagsgewohnheiten eingeführt, mich daran erinnert, vor Feiertagen einzukaufen, wenn alles geschlossen ist, mir geholfen, einen Arzt zu finden, gemeinsame Abendessen organisiert, bei denen jeder ein traditionelles Gericht aus seiner eigenen Kultur mitbrachte, Tagesausflüge geplant, um die Umgebung zu erkunden, und mir sogar einen Teppich geschenkt, damit ich mich in meiner neuen Wohnung wohler fühle. Die Liste ließe sich fortsetzen. Manchen mögen diese Gesten klein oder sogar trivial erscheinen. Für mich waren sie jedoch bedeutungsvolle Zeichen der Unterstützung und Fürsorge. Zusammen halfen sie mir, eine Routine zu finden und mich in meiner neuen Umgebung wohler zu fühlen.


Es gab auch einige Unterschiede, die mich überrascht haben. Einen davon möchte ich gerne erwähnen: die unterschiedliche Art, die Jahreszeiten zu verstehen und zu begreifen. In der Ukraine beginnt jede Jahreszeit am ersten Tag des jeweiligen Monats, und wir begrüßen ihre Ankunft in der Regel. Seid also nicht überrascht, wenn euch ein Ukrainer am 1. Dezember einen „schönen ersten Wintertag“ wünscht. Das liegt daran, dass sich die Ukraine an die meteorologischen Jahreszeiten hält, während Deutschland und viele andere westeuropäische Länder – wie ich erst nach meinem Umzug nach München festgestellt habe – den astronomischen Jahreszeiten folgen. Dieser Unterschied kann manchmal zu amüsanten Missverständnissen führen. Wenn man beispielsweise eine Frühlingswanderung plant und den 7. Juni als Termin vorschlägt, würde ein Ukrainer, der diesen Unterschied nicht kennt, sofort denken, dass es sich um einen Fehler handeln muss, denn nach unserem Verständnis ist der Frühling zu diesem Zeitpunkt bereits vorbei.


In dieser Zeit hast du viel erlebt, nicht nur im akademischen Bereich, sondern sicherlich auch auf persönlicher Ebene. Was hat dich in den letzten vier Jahren am meisten verändert?


K.M: Eine bedeutende Veränderung begann zu Beginn dieser „Reise“: als ich mein gesamtes Leben in einen Koffer packte und mich auf den Weg machte, ohne mir voll und ganz bewusst zu sein, wie sich diese Entscheidung auf mein Leben auswirken würde. Auch durch die neuen Verpflichtungen, die ich auf mich nahm, habe ich mich verändert. Viele davon waren mit Angst und Unsicherheit verbunden, doch das Vertrauen und der Glaube, den andere in mich setzten, wurden zu einer Quelle der Kraft, die mir half, Herausforderungen zu meistern und auf eine Weise zu wachsen, die ich nicht erwartet hatte.


Seit deiner Ankunft ist die Ukraine nie aus den Nachrichten verschwunden. Wie hast du das erlebt – und inwieweit hat der Krieg deine Arbeit oder dein Denken beeinflusst?


K.M: Es ist eine schwierige Erfahrung, die man durchleben muss – eine, bei der selbst eine harmlose Frage wie „Wie geht es dir?“ einen sprachlos machen kann. Einmal habe ich einen Gedanken gehört, der meine Einstellung zu dieser Erfahrung geprägt hat: Anstatt zu fragen: „Warum passiert mir das?“, ist es besser zu fragen: „Wozu dient diese Erfahrung?“


Darauf versuche ich mich zu konzentrieren und mich immer wieder daran zu erinnern. Erstens sollte nichts als selbstverständlich angesehen werden, vor allem nicht die Gelegenheit, in einen neuen Tag zu erwachen, an dem man selbst und die eigenen Lieben sicher, gesund und glücklich sind. Zweitens bleibt das Leben auch in dunklen Zeiten schön. Es geht weiter, und niemand wird uns jemals die Jahre zurückgeben, die wir damit verbringen, auf bessere Zeiten zu warten. Deshalb sollten wir das Beste daraus machen und aufhören, die Dinge aufzuschieben, die wirklich wichtig sind – angefangen bei einem neuen Hobby, von dem wir schon immer geträumt haben, bis hin dazu, den Menschen, die uns nahestehen, zu sagen, wie wichtig sie uns sind und wie sehr wir sie schätzen. Es ist nicht so, dass mir das vorher nicht bewusst gewesen wäre, aber ich kann es jetzt mit einem viel tieferen Verständnis sagen.


Fühlst du dich als ukrainische Wissenschaftlerin in besonderer Weise verantwortlich – gegenüber deinem Land, deiner Community oder der ukrainischen wissenschaftlichen Community?


K.M: Natürlich halte ich es für wichtig, den Schwung nicht zu verlieren und weiterhin Brücken zwischen der Ukraine und anderen Ländern zu schlagen, auch im akademischen Bereich. Denn gerade durch den Austausch unterschiedlicher Perspektiven und Erfahrungen entstehen kreative Ideen, inspirierende Projekte und sinnvolle Ergebnisse.

Meiner Ansicht nach ist es ebenso wichtig, dass sich diese Brücken auch auf Schulen erstrecken, da bereits auf dieser Ebene die ersten Schritte in Richtung Forschung und erfinderischer Tätigkeit in der Ukraine unternommen werden können. Die Neugier, das Interesse und die Begeisterung, die in dieser Phase entstehen, dürfen nicht verloren gehen; sie sollten gefördert und bestärkt werden.


Du hast jetzt deinen Doktortitel – was kommt jetzt? Wo siehst du dich in einigen Jahren, und welche Rolle spielt dabei die Ukraine?


K.M: Nun, wie wir wissen: Wenn man Gott zum Lachen bringen will, soll man ihm seine Pläne erzählen. Ich habe die Wahrheit hinter diesem Sprichwort bereits in meinem eigenen Leben erfahren. Das bedeutet nicht, dass ich keine Träume oder Ziele habe. Vielmehr versuche ich, mich nicht von meiner eigenen Vision einschränken zu lassen, damit ich offen und flexibel genug bleibe, um die Chancen zu ergreifen, die das Leben mir bietet.


Vorerst geht mein nächstes Kapitel am Institut weiter, wo ich die Ehre und Freude habe, die Position einer wissenschaftlichen Referentin zu übernehmen. Und ich blicke voller Hoffnung auf eine sichere Zukunft und die Chancen, die vor mir liegen.


Herzlichen Dank, liebe Kateryna, für diese ausführlichen Einblicke!


Interview: Hella Schuster

Gruppe von 15 Personen in formeller Kleidung steht in einem Flur mit Porträtfotos an der Wand im Hintergrund
Veranstaltungsbericht  |  17.07.2026

Internationale Perspektiven auf Immaterialgüterrecht: Symposium in Rio de Janeiro bringt Wissenschaft, Justiz und Ministerien zusammen

Rechtsvergleichung heißt nicht, fremde Modelle zu kopieren. Sie zeigt, wie unterschiedliche Länder dieselben rechtlichen Herausforderungen lösen – und welche Ergebnisse dabei herauskommen. Genau darum ging es am 3. Juli 2026 beim internationalen Symposium „Global Perspectives on Intellectual Property Law – Public Health, Fair Competition and Artificial Intelligence“ an der Richterakademie des Bundesstaates Rio de Janeiro (EMERJ).

Gruppe von 15 Personen in formeller Kleidung steht in einem Flur mit Porträtfotos an der Wand im Hintergrund
Organisator*innen, Referent*innen, Moderator*innen des Symposiums „Global Perspectives on Intellectual Property Law“
Mann mit Brille und roter Krawatte spricht an einem Konferenztisch mit Mikrofonen und Namensschild vor einer Wand mit goldenen Buchstaben und einer Flagge
Dr. Pedro Henrique D. Batista
Ein älterer Mann mit Brille sitzt an einem Konferenztisch vor einem Namensschild mit der Aufschrift 'Doctor Reto Hilty' und spricht, im Hintergrund eine Projektionsfolie mit Text zu einem Entschädigungsmechanismus für die Reproduktion von Werken für KI-Trainingszwecke.
Prof. Dr. Dr. h.c. Reto M. Hilty

Mehr als 200 Teilnehmende verfolgten die Veranstaltung im hybriden Format: renommierte Wissenschaftler*innen aus sieben Ländern, Vertreter*innen brasilianischer Ministerien und Mitglieder der brasilianischen Justiz diskutierten aktuelle Herausforderungen an der Schnittstelle von Innovation, Wettbewerb, Gesundheit und Künstlicher Intelligenz. Auch zwei Institutsangehörige waren involviert:  Pedro Henrique D. Batista, Affiliated Research Fellow des Instituts, organisierte die Veranstaltung gemeinsam mit der EMERJ – wenige Tage, nachdem er bereits den 44. Jahreskongress der ATRIP in São Paulo maßgeblich mitgestaltet hatte. Neben seiner Teilnahme am Eröffnungspanel hielt er einen Vortrag zum Thema “Sham Litigation im Patentrecht”.


Auch Reto M. Hilty, emeritierter Direktor des Instituts, referierte auf dem Symposium. Er sprach über aktuelle Entwicklungen des europäischen Urheberrechts im digitalen Zeitalter und beteiligte sich an den anschließenden wissenschaftlichen Diskussionen.


Das Programm deckte ein breites Themenspektrum ab: Regulierung und Innovationskapazität, Public Health und Patentrecht, Lizenzen und Patente zur Zweitnutzung, unlauterer Wettbewerb und Trade Dress. Dazu kamen geografische Herkunftsangaben, Technologietransfer, Rechtstechnologie sowie Urheberrecht und Künstliche Intelligenz. Die Veranstaltung sollte rechtsvergleichende Perspektiven auf diese regulatorischen Herausforderungen zusammenbringen und den akademischen Austausch zwischen Ländern und Wissenschaftler*innen vertiefen.


Möglich gemacht haben das Symposium das Institut und das FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur – mit ihrer institutionellen Unterstützung sowie die britische Regierung und LES Brasil als Partner.


Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und nachhaltige Innovation stellen das Immaterialgüterrecht weltweit vor dieselben Fragen – nur die Antworten fallen je nach Rechtssystem unterschiedlich aus. Das Symposium in Rio de Janeiro hat gezeigt, wie viel Wissenschaft, Justiz und Politik von diesem Vergleich lernen können, wenn sie ihn gemeinsam führen.

Prof. Dr. Dr. h.c. Adolf Dietz steht links und trägt einen dunklen Anzug mit Hemd und Krawatte. Er schüttelt die Hand von Dr. Rudolf Leška, der rechts steht und einen dunklen Anzug mit weißem Hemd und Krawatte sowie ein Einstecktuch trägt. Dr. Rudolf Leška hält eine dunkle, glänzende Skulptur in der linken Hand.
Personalie  |  13.07.2026

Adolf Dietz zum 90. Geburtstag – Eine herzliche Gratulation!

Am 10. Juli feierte Adolf Dietz seinen 90. Geburtstag. Das Institut gratuliert Adolf Dietz sehr herzlich zu diesem besonderen Anlass und würdigt ein wissenschaftliches Lebenswerk, das die urheberrechtliche Forschung am Institut über Jahrzehnte hinweg maßgeblich geprägt hat. In besonderer Weise hervorzuheben ist dabei die weit über das Institut hinausreichende Bedeutung seiner Arbeiten für die Entwicklung des Urheberrechts insgesamt – national wie international.

Prof. Dr. Dr. h.c. Adolf Dietz steht links und trägt einen dunklen Anzug mit Hemd und Krawatte. Er schüttelt die Hand von Dr. Rudolf Leška, der rechts steht und einen dunklen Anzug mit weißem Hemd und Krawatte sowie ein Einstecktuch trägt. Dr. Rudolf Leška hält eine dunkle, glänzende Skulptur in der linken Hand.
Prof. Dr. Dr. h.c. Adolf Dietz (links) mit Dr. Rudolf Leška bei Auszeichnung mit dem Jan-Löwenbach-Preis der ALAI-Landesgruppe Tschechien 2025.

Nach dem Jurastudium (als Maximilianäer) in München und Paris promovierte Adolf Dietz 1966 an der Ludwig-Maximilians-Universität München und legte 1967 das zweite juristische Staatsexamen ab. Bereits ab 1966 war er am damaligen Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Patent-, Urheber- und Wettbewerbsrecht tätig – zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter, von 1972 bis 1978 als Referatsleiter und anschließend bis zu seiner Pensionierung 2001 als Forschungsgruppenleiter in der Abteilung Urheberrecht. Als Schüler Eugen Ulmers hat er nicht nur die urheberrechtliche Forschung am Institut mitgetragen, sondern auch die Ostrechts- und die Chinaabteilung aufgebaut und über viele Jahre geleitet.


Sein außergewöhnliches Sprachtalent und die Fähigkeit, fremde Rechtsordnungen und Kulturen in ihrer Tiefe zu erfassen, machten Adolf Dietz zu einem der herausragenden Rechtsvergleicher seines Fachs. Seine Arbeiten reichen von der Dissertation zum deutschen und französischen Droit Moral (1968) über die Darstellung des ungarischen Patentrechts (1976), den Essay zu Urheberrecht und Entwicklungsländern (1981) und den Band zur Neuregelung des gewerblichen Rechtsschutzes in China (1988) bis hin zur Kommentierung des Urheberpersönlichkeitsrechts (1987/1999). Besondere Bedeutung kommt seinen Pionierarbeiten zum Urheberrecht in der Europäischen Gemeinschaft zu, die bis heute Grundlage der europäischen Harmonisierungsarbeit geblieben sind. Auch sein besonderer Fokus auf die Belange von Kreativen hat ihn ausgezeichnet.


Über sein eigenes wissenschaftliches Werk hinaus hat Adolf Dietz das Institut international sichtbar gemacht: durch seine langjährige Expertentätigkeit für die Europäische Kommission, den Aufbau der Kooperation mit dem chinesischen Patent- und Urheberamt sowie sein Engagement als Präsident der Deutschen Landesgruppe und Vizepräsident der Association Littéraire et Artistique Internationale (ALAI). Als Experte für deutsches, europäisches und internationales Urheberrecht sowie für das Recht des geistigen Eigentums in Mittel- und Osteuropa und der Volksrepublik China hat er zahlreiche Bücher und Aufsätze vorgelegt und wurde als Honorarprofessor in Deutschland und China geehrt.


Sein Wirken ist vielfach ausgezeichnet worden: 1996 mit der Ehrendoktorwürde der Katholischen Universität Brüssel, 2002 mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und zuletzt im März 2025 mit dem erstmals verliehenen Jan-Löwenbach-Preis der tschechischen ALAI-Landesgruppe, mit dem seine großen Verdienste im deutsch-tschechischen Urheberrechtsdialog gewürdigt wurden.


Dem Institut ist Adolf Dietz auch nach seiner Pensionierung als Affiliated Research Fellow eng verbunden geblieben; er trägt den wissenschaftlichen Austausch bis heute mit. Generationen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Stipendiatinnen und Stipendiaten aus aller Welt haben von seiner Betreuung, seiner Kollegialität und seiner Weltoffenheit profitiert.


Zum 90. Geburtstag wünschen wir Adolf Dietz von Herzen Gesundheit, Wohlergehen und weiterhin Freude an der wissenschaftlichen Arbeit.

Blick durch eine Virtual-Reality-Brille auf eine Treppe mit einer Statue und einem Hinweis 'Turn left to avoid violence and nudity' sowie drei blauen Pfeilen nach links
Verschiedenes  |  29.06.2026

Call for Abstracts: “Editable World” Workshop – Wenn die Wirklichkeit bearbeitbar wird

Wer regiert den öffentlichen Raum, wenn digitale Schichten ihn überlagern? Dieser Frage widmet sich der Expert*innen-Workshop „Editable World – Law, Policy, and Governance in Phygital Realities", der am 5. und 6. November 2026 am Institut stattfindet.

Blick durch eine Virtual-Reality-Brille auf eine Treppe mit einer Statue und einem Hinweis 'Turn left to avoid violence and nudity' sowie drei blauen Pfeilen nach links
Bild: Micaela Terk (The Ippso Project)

Spatial Computing, Extended Reality (XR) und KI-gestützte Wearables verändern, wie wir die Welt wahrnehmen. Straßen, Schulen, Gerichte und öffentliche Plätze werden zunehmend „phygital": physisch geteilt, aber digital individualisiert – annotiert, gefiltert und algorithmisch überlagert in Echtzeit. Wahrnehmung selbst wird zum Ort des Eingriffs. Die klassischen Grenzen zwischen online und offline, öffentlich und privat, Infrastruktur und Interface lösen sich auf.


Der Workshop fragt: Wer regiert phygitale Räume, wenn digitale Schichten von privaten Plattformen kontrolliert werden, der physische Raum aber dem öffentlichen Recht unterliegt? Wie lassen sich Privatheit, Würde und demokratische Rechenschaft schützen, wenn Wahrnehmung zur Ressource wird – für Datenerhebung, algorithmisches Nudging oder sexualisierte digitale Gewalt?


Organisiert wird die Veranstaltung von humanet3 – einer gemeinsamen Initiative des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, des Max-Planck-Instituts für Innovation und Wettbewerb sowie des Max-Planck-Instituts für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht – in Kooperation mit Tehilla Shwartz Altshuler und Romi Mikulinsky. Das Max Planck Law Network unterstützt die Verbreitung der Veranstaltung.


Eingeladen sind Beiträge von Forschenden aus Rechtswissenschaft, Politikwissenschaft, Soziologie, Philosophie und angrenzenden Disziplinen, die sich mit dem „Editable World"-Konzept als neuem Governance-Objekt auseinandersetzen – von der Regulierung phygitaler Räume über Fragen demokratischer Öffentlichkeit bis hin zur politischen Ökonomie digitaler Wahrnehmungsinfrastrukturen.


Erwünscht sind Positionspapiere, konzeptionelle Beiträge und Thesen im Frühstadium. Der Workshop versteht sich als Raum für Exploration, interdisziplinären Austausch und gemeinsame Agenda-Entwicklung.
 


Die wichtigsten Fakten auf einen Blick:
 

  • Datum: 5.–6. November 2026
  • Ort: Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb, Herzog-Max-Str. 4, 80333 München
  • Einreichungsfrist (Abstracts): 15. Juli 2026
  • Kontakt:editable-worlds(at)mpil.de
  • Benachrichtigung: bis 15. August 2026
  • Schriftliche Beiträge: bis 4. Oktober 2026 (1.500–2.500 Wörter)

In Ausnahmefällen ist eine Förderung von Reise- und Unterkunftskosten möglich.
 

Abstract-Einreichung

Zwei Männer mit Namensschildern stehen nebeneinander, einer hält eine Urkunde mit dem Titel 'Best Young Scholar Paper Award'
Auszeichnung  |  15.06.2026

“Best Young Scholar Paper Award” für Dominik Asam auf der DRUID Konferenz 2026

Dominik Asam wurde auf der DRUID26, die von 8. bis 10. Juni 2026 in Kopenhagen stattfand, mit dem “Steven Klepper Award for Best Young Scholar Paper” ausgezeichnet. Prämiert werden originelle und kreative Arbeiten von Nach­wuchs­­forschenden, die sich mit zentralen Frage­stellungen zu Innovation befassen. Dominik Asam hat untersucht, wie sich die Open-Source-Ver­öffent­lichung eines KI-Grundlagenmodells auf nachgelagerte Innovationen auswirkt.

Zwei Männer mit Namensschildern stehen nebeneinander, einer hält eine Urkunde mit dem Titel 'Best Young Scholar Paper Award'
Dominik Asam bei der Verleihung des “DRUID Best Young Scholar Paper Award” durch Prof. Mark Lorenzen von der Copenhagen Business School.

In seinem Forschungspapier “Access to the Frontier: Open Source AI and Downstream Innovation” befasst sich Dominik Asam mit den Auswirkungen offen zugänglicher KI-Modelle auf Innovations­dynamiken entlang der Wertschöpfungskette.


Dabei analysiert er die Folgen der Veröffentlichung des Meta-Modells Llama für die Entwicklung neuer Anwendungen auf der Plattform Hugging Face. Die Studie zeigt, dass nach diesem Leak neue Entwickler in den Markt eintreten und den Wettbewerb intensivieren, während etablierte Akteure ihre Aktivitäten zunehmend in Bereiche verlagern, in denen ihre spezifische Expertise weiterhin einen Wettbewerbsvorteil darstellt. Insgesamt macht die Arbeit deutlich, wie sich Marktstrukturen und Innovationsstrategien durch den Zugang zu leistungsfähigen Basismodellen verändern – und welche potenziellen innovationsbezogenen Wohlfahrtsverluste entstehen können, wenn solche Frontier-Modelle ausschließlich geschlossen verfügbar sind.


Die Jury würdigte insbesondere den innovativen und hochaktuellen Forschungskontext sowie die überzeugende empirische Identifikationsstrategie, die auf dem unerwarteten Leak des Llama-Modells basiert. Hervorgehoben wurden zudem die große Relevanz der Fragestellung für die aktuelle Debatte um offene versus geschlossene KI-Modelle sowie die insgesamt hohe wissenschaftliche Qualität der Arbeit. Die Arbeit wurde als interessant, gut geschrieben und gute Forschung gelobt.


Der Best Young Scholar Paper Award der DRUID ist dem im Mai 2013 viel zu früh verstorbenen Steven Klepper, Professor of Economics and Social Sciences an der Carnegie Mellon University, gewidmet, der als international anerkannter Wissenschaftler fundamentale Beiträge zur Erforschung von Unternehmertum, Innovation und Industrieentwicklung leistete.


Die DRUID ist seit 1995 ein international anerkanntes Forum für Spitzenforschung zu Innovation und den Dynamiken strukturellen, institutionellen und geografischen Wandels. Hervorgegangen aus der Danish Research Unit for Industrial Dynamics und ursprünglich von Forschenden der Copenhagen Business School und der Aalborg University initiiert, hat sich die Konferenz zu einer der weltweit führenden Plattformen für den Austausch zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in den Bereichen Innovationsforschung, Management, Ökonomie und Entrepreneurship entwickelt. Die jährlich stattfindende Konferenz bringt etablierte Forschende ebenso wie den Forschungsnachwuchs zusammen und wird an wechselnden internationalen Standorten ausgerichtet – zuletzt unter anderem in Toronto, Nizza, Lissabon und Kopenhagen.

Vier Männer in Anzügen stehen nebeneinander, einer hält eine Auszeichnungstafel.
Auszeichnung  |  13.06.2026

PatCon Extraordinary Achievement Award für Dietmar Harhoff

Dietmar Harhoff, Direktor am Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb und Honorarprofessor an der LMU Munich School of Management, wurde auf der 14th Annual Patent Conference (PatCon), die am 10. und 11. April 2026 an der University of Kansas School of Law (KU Law) stattfand, für seine langjährigen und herausragenden Beiträge zur Erforschung des Patentsystems mit dem PatCon Extraordinary Achievement Award ausgezeichnet.

Vier Männer in Anzügen stehen nebeneinander, einer hält eine Auszeichnungstafel.
Dietmar Harhoff mit Organisatoren der 14th Patent Conference. Foto: © KU Law

Die PatCon ist die weltweit größte jährliche Konferenz für Patentwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Die Konferenz ist eine gemeinsame Veranstaltung der KU Law, der Northwestern University Pritzker School of Law, der University of San Diego School of Law und der Boston College Law School.


Das interdisziplinäre Forum ermöglicht es Forschenden aus den Bereichen Recht, Wirtschaft, Betriebswirtschaft, öffentliche Gesundheit, Wissenschaftsgeschichte und -philosophie, Ingenieurwesen und anderen Disziplinen, ihre Forschungs­ergebnisse auszutauschen. Darüber hinaus zeichnet sich die PatCon durch ihr Engagement aus, Richterinnen und Richter, Mitarbeitende des United States Patent and Trademark Office und Personen aus der Industrie einzubeziehen, um die Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse in der breiteren Praxis zu fördern.

Große Gruppe von Personen vor einem Gebäude mit Bogenfenstern und zwei blauen Fahnen, einige sitzen vorne, andere stehen dahinter, alle blicken in die Kamera
Veranstaltungsbericht  |  29.05.2026

Munich Summer Institute 2026 – 10 Jahre erfolgreicher interdisziplinärer Austausch

Vom 20. bis 22. Mai 2026 fand am Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb (MPI) im Herzen Münchens das zehnte Munich Summer Institute (MSI) statt. Das MSI hat sich inzwischen als eines der führenden Foren für Forschung an der Schnittstelle von Ökonomie, Management, Recht und angrenzenden Disziplinen etabliert und brachte Forschende aus aller Welt zu drei Tagen intensiven wissenschaftlichen Austauschs zusammen. Bereits zum fünften Mal fand auch der MSI Ph.D. Workshop statt - eine Plattform für aufstrebende Nachwuchsforschende.

Große Gruppe von Personen vor einem Gebäude mit Bogenfenstern und zwei blauen Fahnen, einige sitzen vorne, andere stehen dahinter, alle blicken in die Kamera
Teilnehmende der Hauptkonferenz des Munich Summer Institute 2026 (Foto: Myriam Rion)
Gruppe von Teilnehmenden des MSI PhD Workshops vor einer geschwungenen Treppe, alle winken in die Kamera.
Teilnehmende des MSI PhD Workshops 2026 (Foto: Myriam Rion)
Zwei Frauen stehen nebeneinander, eine hält eine Urkunde mit der Aufschrift 'BEST PAPER AWARD', beide lächeln in die Kamera.
Katarzyna Swiech, Gewinnerin des MSI PhD Workshop Best Paper Award, mit Hanna Hottenrott (Foto: MSI)
Sechs Personen stehen in einem Innenraum vor einer spiralförmigen Treppe, alle tragen Namensschilder und sind in halbformeller Kleidung.
Das Organisationsteam: Dietmar Harhoff, Tobias Kretschmer, Joachim Henkel, Hanna Hottenrott, Imke Reimers und Stefan Bechtold (Foto: Myriam Rion)

Unter der gemeinsamen Organisation von Stefan Bechtold (ETH Zürich), Dietmar Harhoff (MPI und LMU München), Joachim Henkel und Hanna Hottenrott (beide TU München), Tobias Kretschmer und Daniel Obermeier (beide LMU München), Christian Peukert (HEC Lausanne) sowie Imke Reimers (Northeastern University) bot das MSI 2026 ein ambitioniertes Programm: einen Ph.D. Workshop, 24 Vorträge mit eigens dafür ausgewählten Diskutantinnen und Diskutanten, 17 Poster-Slams in zwei Sitzungen, zwei Keynote-Vorträge sowie reichlich Gelegenheit zum informellen Austausch im Rahmen eines Begrüßungsempfangs, eines bayerischen Konferenzessens und geführter Stadtrundgänge durch München.


Eine Plattform für aufstrebende junge Forschende


Der MSI Ph.D. Workshop, der am 20. Mai 2026 im Vorfeld der Hauptkonferenz stattfand, hat sich zu einer festen Tradition entwickelt und feierte in diesem Jahr seine fünfte Auflage. Der diesjährige Workshop brachte Promovierende zusammen, die sich mit künstlicher Intelligenz, digitalen Plattformen, Digitalisierung, Innovation und Humankapital beschäftigen. Die Teilnehmenden stellten ihre laufenden Forschungsarbeiten vor und erhielten detailliertes Feedback sowohl von erfahrenen als auch Nachwuchsforschenden.


Unter den Mitwirkenden aus der Münchner Forschungslandschaft stellte Denzel Glandel Tafur (ISTO, LMU School of Management) sein Dissertationsprojekt „Social Evaluation of AI-Disclosed Content in a User-Generated Media Commons“ vor, das von Marina Chugunova (MPI) diskutiert wurde. Der Best Paper Award des Workshops ging an Katarzyna Swiech (Georgia Institute of Technology) für ihre Alleinveröffentlichung „A Tale of Two Zones: The Impact of Time Zones on Collaboration and Knowledge Flow“ – eine wohlverdiente Anerkennung für eine beeindruckende eigenständige wissenschaftliche Arbeit. Die Arbeit untersucht Daten des United States Patent and Trademark Office zu Paarungen von Städten innerhalb eines Bundesstaates, die gemeinsam Patente anmelden – einige in derselben Zeitzone, andere in verschiedenen –, um zu zeigen, dass selbst ein minimaler zeitlicher Abstand die interregionale Zusammenarbeit maßgeblich beeinflussen kann. Die Arbeit wurde von Jordan Bisset (MPI) diskutiert.


Der diesjährige MSI Ph.D. Workshop wurde von Daehyun Kim (Leitung), Dominik Asam und Johannes Könemann (alle MPI) gemeinsam mit Chengdi Fa und Svenja Friess (beide ISTO) organisiert.


Drei Tage im Zeichen neuester Forschung


Die Hauptkonferenz begann mit einer Session zu digitalen Plattformen, Ökosystemen und Marktmacht – ein passender Auftakt für eine Konferenz, deren Themen hochaktuell sind. An den folgenden Tagen wurde ein breites Spektrum aktueller Fragestellungen behandelt: KI und digitale Wissensproduktion, Entscheidungsfindung und Reputation im digitalen Umfeld, Risikokapital und Innovationsfinanzierung sowie Recht und Ökonomie des geistigen Eigentums.


Forschende aus der Münchner Community waren erneut durchweg stark vertreten. Jonathan Jensen und Alexey Rusakov (ISTO Alumni) stellten Arbeiten vor, die auf Rusakovs Dissertation basieren: „The Dynamic Returns to Generative AI on Knowledge Breadth vs. Depth: Evidence from GitHub“, diskutiert von Karin Hoisl (Affiliated Research Fellow am MPI und Universität Mannheim). Frederike Eulitz (ISTO) fungierte in der Nachmittagssitzung zum Thema digitale Arbeitsmärkte als Diskutantin und stützte sich dabei auf ihre Dissertationsforschung. Manfredi Aliberti (seit kurzem Senior Research Fellow am MPI) hielt einen Vortrag zum Thema „Beyond the Lab: The Effect of Ph.D. Programs on Innovation“, und Michael E. Rose (Senior Research Fellow am MPI) präsentierte ein Poster zum Thema „Better Science as a Byproduct: The Institutional Revolution in the German Empire“. Elisabeth Hofmeister (Junior Research Fellow am MPI) ist Mitautorin eines Beitrags, der in der abschließenden Sitzung über Recht und Ökonomie zum Thema “Commercial Regulation and the Production of Science: Evidence from New Genomic Techniques in Agricultural Biotechnology” vorgestellt wurde.


Zwei Keynotes zu großen Fragen


Im Zentrum der Konferenz standen zwei herausragende Keynote-Vorträge. Hong Luo (University of Toronto, Rotman School of Management) untersuchte die Schnittstellen zwischen Sicherheit, Haftung und Innovation. In ihrem Vortrag “Regulatory Innovation: Using Health Innovation Policy to Realign Health Care Economics with Today's Biomedical Innovation Ecosystem” hielt Ariel D. Stern (Hasso-Plattner-Institut und Universität Potsdam) einen umfassenden Vortrag über regulatorische Innovation und Gesundheitsökonomie, der eine lebhafte interdisziplinäre Diskussion anregte.


Ausblick


Mit einer Kombination aus hochkarätigen Forschungsvorträgen, einer ausgesprochen unterstützenden Atmosphäre und einer starken Verankerung in der Münchner Forschungsgemeinschaft bietet das MSI weiterhin ein einzigartiges und wertvolles Forum für Forschende in allen Karrierestufen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Interesse an Innovation, Digitalisierung, Unternehmertum, Strategie oder geistigem Eigentum sind herzlich eingeladen, sich für das MSI 2027 mit einem Beitrag zu bewerben oder sich zu Teilnahme anzumelden. Der Termin wird bald bekanntgegeben (siehe untenstehenden Link).


Svenja Friess & Myriam Rion


Mehr Informationen: https://www.munich-summer-institute.org/munich-summer-institute

Zwei Personen stehen vor einem orangefarbenen Hintergrund, die linke Person, ein Mann, trägt ein blaues Poloshirt und dunkle Hosen, die rechte Person, eine Frau, trägt eine rote Bluse über einem weißen Oberteil und karierte Hosen.
Verschiedenes  |  20.05.2026

MAX!mize – Start-up-Förderung für das Projekt „Expeerience“ von Anastasiia Lutsenko

Anastasiia Lutsenko, Doktorandin am Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb, und ihr Projekt „Expeerience“ wurden für die erste Phase des MAX!​mize-Start-up-Inkubator-Programms ausgewählt. Nach einem erfolgreichen Bootcamp und einer Präsentation vor der Jury erhält das Projekt sechs Monate lang finanzielle Unterstützung sowie maßgeschneidertes Start-up-Coaching, um sein Innovationspotenzial weiter auszubauen.

Zwei Personen stehen vor einem orangefarbenen Hintergrund, die linke Person, ein Mann, trägt ein blaues Poloshirt und dunkle Hosen, die rechte Person, eine Frau, trägt eine rote Bluse über einem weißen Oberteil und karierte Hosen.
Lyubomyr Matsekh und Anastasiia Lutsenko. Foto: MAX!mize/Fabian Vogl.

Das Projekt “Expeerience” wurde offiziell aufgenommen in MAX!mize, das Start-up-Inkubationsprogramm von Max Planck Innovation für Forschende innerhalb der Max-Planck-Gesellschaft. Das Programm unterstützt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei, unternehmerische Kompetenzen zu entwickeln und forschungsbasierte Ideen in tragfähige Innovationen umzusetzen. MAX!mize ist Teil der Start-up-Initiative MAXpreneurs, die ein übergreifendes Netzwerk innerhalb der Max-Planck-Gesellschaft darstellt. Ziel der Initiative ist es, verschiedene Bemühungen zu bündeln, um mehr Start-up-Potenzial zu erschließen, Start-ups zu stärken und den Bedürfnissen der Gründerinnen und Gründer gerecht zu werden. Neben Max Planck Innovation sind auch die Planck Academy und die Max-Planck-Stiftung Partner von MAXpreneurs.


Nach einem dreitägigen Bootcamp, das aus Workshops, Expert Challenges und einer abschließenden Präsentation vor der Jury bestand, wurde „Expeerience“ für die Teilnahme an Phase 1 des Programms ausgewählt. Während der sechsmonatigen Explorationsphase erhält das Projekteam eine bedarfsorientierte Förderung von bis zu 50.000 € sowie praxisorientiertes Coaching, um das Marktpotenzial des Projekts zu bewerten und seine Anwendungsmöglichkeiten weiterzuentwickeln.


Im Kern befasst sich „Expeerience“ mit der Anwendung von Natural Language Processing (NLP), also der Verarbeitung natürlicher Sprache, in den Bereichen digitale Gesundheitsversorgung und Förderung des Wohlbefindens. Weitere Einzelheiten zum Projekt und seinem technologischen Ansatz werden zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben. Das Projekt wird von einem Team aus zwei Forschenden durchgeführt, Anastasiia Lutsenko und Lyubomyr Matsekh, die ihr kombiniertes Fachwissen in den Bereichen Wissenschaft und Unternehmertum nutzen, um diese Idee vom Labor in den Markt zu bringen.


Anastasiia O. Lutsenko, Gründerin und Projektleiterin, stieß im April 2022 von der Akademischen Universität Kiew der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine zur Abteilung Innovation and Entrepreneurship, nachdem sie aufgrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine ihre Heimat verlassen musste. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf der Systemresilienz, wobei sie sich insbesondere mit der Resilienz nationaler Wissenschaftssysteme in Krisenzeiten befasst. Mit ihrem akademischen Hintergrund im Innovationsmanagement und mehr als 15 Jahren Erfahrung in Wissenschaft und Wirtschaft verbindet sie wissenschaftliche Expertise mit unternehmerischer Ambition. Sie erhielt zahlreiche internationale Stipendien und Auszeichnungen, darunter ein Stipendium des Instituts, Stipendien des Marketing Trust (Großbritannien) sowie Auszeichnungen des Accreditation Council for Business Schools and Programs (ACBSP, USA).


Das Projektteam wird durch Dr. Lyubomyr Matsekh verstärkt, der als Berater für kognitive Linguistik fungiert. Er leitet den Bereich Nachhaltigkeitsberatung bei ELEKS, einem internationalen Softwareentwicklungs- und IT-Beratungsunternehmen, das sich auf digitale Transformation und Technologielösungen für globale Kunden spezialisiert hat. Neben seiner Tätigkeit bei ELEKS lehrt er an der Hochschule Reutlingen die Fächer Führung, Nachhaltigkeit und soziales Unternehmertum. Bei Expeerience bringt er sein Fachwissen in den Bereichen kognitive Linguistik und unternehmerische Strategie ein.

Gruppe von Teilnehmenden der VII. SIPLA-Konferenz steht in einer Reihe vor einer hellen Wand im Freien
Veranstaltungsbericht  |  18.05.2026

VII. SIPLA-Konferenz: Impulse für den grünen Wasserstoffmarkt in Lateinamerika

Die Initiative Smart IP for Latin America (SIPLA) des Instituts hat gemeinsam mit der Universidad Católica de la Santísima Concepción (UCSC) am 13. Mai die VII. SIPLA-Konferenz veranstaltet. Unter dem Motto „Auf dem Weg zu einem nachhaltigen Wasserstoffmarkt in Lateinamerika" kamen in Chile Vertreter*innen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Regierung sowie internationale Fachleute zusammen. Ziel war, die Chancen und Hürden dieser für den Kontinent strategischen Branche interdisziplinär zu diskutieren. 

Gruppe von Teilnehmenden der VII. SIPLA-Konferenz steht in einer Reihe vor einer hellen Wand im Freien
Teilnehmende der VII. SIPLA-Konferenz. Foto: UCSC

Im Fokus standen neben Wasserstofftechnologien insbesondere regulatorische Fragen, Governance, Zertifizierung und geistiges Eigentum. Reto Hilty, emeritierter Direktor am Institut und Leiter von SIPLA, hob das enorme Potenzial der Region hervor: „Lateinamerika verfügt über außergewöhnliche natürliche Ressourcen zur Erzeugung von grünem Wasserstoff. Das Wichtigste ist nun eine koordinierte Politik und gemeinsame Strategie zwischen den Ländern.“ Er betonte, dass allein die Diskussion dieser Themen von großem Wert sei.


Die Veranstaltung unterstrich die Notwendigkeit einer verstärkten Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Privatwirtschaft und Staat. Während die UCSC ihre langjährige Forschung im Energiebereich präsentierte, forderte die Industrie klare Rahmenbedingungen. Rebeca Poleo von Vantaris Energy Advisors betonte: „Es handelt sich um kapitalintensive Projekte, die stabile Regeln erfordern.“ Die hohe Resonanz und der volle Hörsaal zeugten vom großen Interesse. Das Treffen wurde von Partnern wie der GIZ, der EU-Botschaft und dem Energieministerium unterstützt.


Mehr Informationen zur SIPLA-Konferenz finden Sie in den Berichten auf der SIPLA-Webseite:

VII SIPLA Conference


Über SIPLA

Smart IP for Latin America ist eine Forschungsinitiative des Max-Planck-Instituts für Innovation und Wettbewerb. Sie bietet ein neutrales Forum für den akademischen und rechtspolitischen Diskurs über Immaterialgüter-  und Wettbewerbsrecht in Lateinamerika. Ziel ist, Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit auf der Grundlage unparteiischer und evidenzbasierter Grundlagenforschung zu informieren und zu beraten. Damit soll die Verwirklichung des sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Potenzials Lateinamerikas unterstützt werden.

RISE Workshop Logo
Verschiedenes  |  15.05.2026

Call for Papers – RISE9 Workshop

Junge Forscherinnen und Forscher aus den Bereichen Wirtschaftswissenschaften oder Management, die beim 9th Research on Innovation, Science and Entrepreneurship Workshop ein empirisches Forschungspapier präsentieren möchten, sind eingeladen, dieses bis zum 24. Juli 2026 einzureichen.

Bereits zum neunten Mal wird die zweitägige Veranstaltung von Promovierenden und Postdocs der Abteilung Innovation and Entrepreneurship Research unter der Leitung von Dietmar Harhoff organisiert, um jungen Forschenden die Möglichkeit zu geben, ihre Arbeiten vorzustellen.


Ziel des RISE9 Workshops am 14./15. Dezember 2026 ist, eine ausgewählte Anzahl herausragender Forschungsarbeiten von Promovierenden und Junior Postdocs eingehend zu diskutieren, Feedback zu geben sowie sich mit Kolleginnen und Kollegen anderer Forschungsinstitutionen zu vernetzen.


Zum Call for Papers RISE9.


Zur RISE9 Workshop Website.