Verschiedenes  |  15.04.2021

In Gedenken an Gerhard Schricker (1935-2021)

Am 6. April 2021 ist Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Gerhard Schricker, Direktor des Instituts in den Jahren von 1971 bis 2003, im Alter von 85 Jahren aus dieser Welt geschieden.

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Gerhard Schricker, max Planck Institut für Innovation und Wettbewerb
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Gerhard Schricker war von 1971 bis 2003 Direktor des Instituts, Photo & Copyright by Jean Guyaux

Das Wachsen des wissenschaftlichen Rufes des Instituts in seiner Amtszeit geht wesentlich auf seine wissenschaftlichen Leistungen in den Gebieten des Lauterkeits- und Urheberrechts zurück. Mit großangelegten rechtsvergleichenden Studien legte er die Grundlagen für die europäische Rechtsangleichung im Lauterkeitsrecht, wobei es ihm vor allem auf eine verbraucherschutzorientierte Ausrichtung des Rechtsgebiets ankam. Nachfolgende Generationen von Wissenschaftlern verbinden seinen Namen vor allem mit dem von ihm begründeten und führenden Kommentar zum deutschen Urheberrecht. Er hat das Urheberrecht nicht nur systembildend durchdrungen. Mit klaren Worten an Widersacher setzte er sich beim Gesetzgeber für Verbesserungen des vertragsrechtlichen Schutzes der Urheber ein. Für seine wissenschaftlichen Leistungen wurde er vielfach geehrt, vor allem mit der Ehrendoktorwürde der Freien Universität Brüssel, der Universität Stockholm sowie der Yonsei University in Seoul.


In Deutschland und vielen anderen Ländern der Welt begegnet man einer beeindruckenden Zahl seiner früheren Doktoranden und Schüler, die heute in Wissenschaft und Praxis führende Positionen einnehmen. Darüber hinaus war ihm als Ordinarius an der Ludwig-Maximilians-Universität München stets auch die Ausbildung der Studierenden vor dem ersten Staatsexamen ein wichtiges Anliegen. So scheute er nicht vor der Doppelbelastung zurück, nach der Emeritierung seines Kollegen und engen Freundes Friedrich-Karl Beier das Institut allein zu leiten und gleichzeitig seine Pflichten im Hauptamt an der Universität bis zu seiner regulären Emeritierung zu erfüllen.


Zudem waren diese letzten Jahre für das Institut alles andere als einfach. In Frage stand nichts weniger als der Fortbestand des Instituts. Gerhard Schricker gelang es, das Blatt zu wenden, was vor allem an seinem damals wissenschaftspolitisch für die MPG attraktiven Vorschlag lag, in Kooperation mit universitären Partnern einen weltweit führenden Studiengang im Immaterialgüterrecht zu etablieren. Die Neuberufung von gleich mehreren neuen Direktoren kurz nach der Jahrtausendwende sowie die Schaffung des Studienganges am Munich Intellectual Property Law Center in Zusammenarbeit mit der Universität Augsburg, der TU München und der George Washington University zeigen, dass Gerhard Schricker in besonderem Maße dafür zu danken ist, dem Institut den Weg in die Zukunft geebnet zu haben.


Den meisten der heute am Institut tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern war es nicht mehr gegönnt, Gerhard Schricker persönlich kennenzulernen. Denn schon kurz nach seiner Emeritierung zwang ihn eine schwere Erkrankung, sein Forschen einzustellen und sich ganz in das private Umfeld seiner Familie zurückzuziehen. So ist er nach langen Jahren schwerer Krankheit verstorben. Als feinsinniger Geist, stets fürsorglicher Förderer und gleichzeitig zurückhaltender Mensch wird er vielen in Erinnerung bleiben.


Persönliche Webseite von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Gerhard Schricker