William R. Cornish
Personalie  |  18.01.2022

In Memoriam Prof. William R. Cornish (1937–2022)

William Rodolph Cornish, Auswärtiges Wissenschaftliches Mitglied unseres Instituts und em. Professor an der Universität Cambridge, ist am 8. Januar 2022 im Alter von 84 Jahren verstorben. Bill Cornish war ein weltweit führender Wissenschaftler im Bereich des Immaterialgüterrechts, dem unser Institut außerordentlich viel zu verdanken hat.

William R. Cornish
William R. Cornish (1937-2022) (Screenshot, Interview der Cambridge Law Faculty, Youtube)

Während eines Auslandsjahrs als Schüler entdeckte der Australier seine Liebe zu Großbritannien und Europa und fühlte sich, zurück in Australien, wie abgeschnitten von der Welt. 1960, nach dem Jurastudium an der Universität von Adelaide in Australien, kehrte er ins Vereinigte Königreich zurück und widmete sich einem Postgraduierten-Studium an der Universität von Oxford. Bereits 1962 begann er als Dozent an der London School of Economics zu unterrichten und hatte dort eine schicksalsträchtige Begegnung. Der Austausch mit seinem Kollegen und Freund Otto Kahn-Freund führte dazu, dass er sich mit dem bis dahin in England kaum entwickelten Immaterialgüterrecht beschäftigte.


Mit unserem Institut verband Bill Cornish eine besondere Beziehung: In einem Interview im Jahr 2015 berichtete Cornish, dass München ab 1966 mit der Gründung des  Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Patent-, Urheber- und Wettbewerbsrecht (früherer Name des Instituts) zum wichtigsten Forschungszentrum auf dem Gebiet des Geistigen Eigentums in Deutschland avancierte und dass er 1978, während der Recherchen für sein Lehrbuch zum Geistigen Eigentum, diesem „intellektuellen Mekka“ seinen ersten Besuch abstattete. Es sollten viele weitere Besuche folgen.


An der vom Institut herausgegebenen Zeitschrift IIC: International Review of Intellectual Property and Competition Law wirkte er von 1990 bis 2019 als Mitglied des Editorial Boards prägend mit.


Bill Cornish forschte und lehrte an den bedeutendsten Universitäten Englands wie Cambridge, der London School of Economics und Oxford und wurde 1984 zum Mitglied der British Academy ernannt. Er erhielt zahlreiche wissenschaftliche und gesellschaftliche Auszeichnungen und Ehrungen.


Wir haben aber nicht nur einen hervorragenden Wissenschaftler, sondern auch einen sehr warmherzigen Menschen und guten Freund verloren. Wir werden ihn sehr vermissen.
 



Ausführliche Informationen zu Leben und Werk von William R. Cornish sowie einen umfangreichen Nachruf finden Sie auf den Seiten der Universität Cambridge.

Porträt von Direktor Prof. Dietmar Harhoff, Ph.D.
Personalie  |  21.12.2021

Turnusgemäßer Wechsel der Geschäftsführung zum 1. Januar 2022

Zum 1. Januar 2022 wird Dietmar Harhoff, Leiter der wirtschaftswissenschaftlichen Abteilung “Innovation and Entrepreneurship Research”, turnusgemäß für zwei Jahre Geschäftsführender Direktor des Instituts.

Porträt von Direktor Prof. Dietmar Harhoff, Ph.D.
Dietmar Harhoff, Geschäftsführender Direktor 2022/2023

Er folgt damit auf Josef Drexl, der seit 2020 Geschäftsführender Direktor war. Dietmar Harhoff ist seit 2013 Direktor am Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb und hatte bereits in den Jahren 2015/2016 die Geschäftsführung inne.

RISE Workshop Logo
Verschiedenes  |  23.11.2021

Das Programm ist da! − RISE4 Workshop

Am 6. und 7. Dezember 2021 findet am Institut der vierte „Research in Innovation, Science and Entrepreneurship Workshop“ (RISE4) von jungen Forschenden für junge Forschende statt (online). Das Programm des RISE4 Workshop 2021 ist jetzt verfügbar. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwarten spannende Themen und ein anregender Austausch. 

RISE Workshop Logo

Der Workshop wurde erstmals 2018 von jungen Forscherinnen und Forschern organisiert und wendet sich an Promovierende sowie Junior Post-docs weltweit. Er bietet jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Gelegenheit, Ihre Arbeiten zu präsentieren, Feedback von erfahrenen Forschenden zu erhalten und sich mit Kolleginnen und Kollegen anderer Forschungsinstitutionen auszutauschen. Die Keynote wird in diesem Jahr Catherine Tucker, Professorin für Management Science und Marketing an der MIT Sloan School und Vorsitzende des MIT Sloan PhD Program, gehalten.


Hier zum Programm (PDF).
Mehr auf der Website des RISE4 Workshop.

Michèle Finck, Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb, Universität Tübingen, Lehrstuhl für Recht der Künstlichen Intelligenz
Personalie  |  20.09.2021

Michèle Finck wird Professorin für Recht der Künstlichen Intelligenz an der Universität Tübingen

Michèle Finck hat als Professorin den neu geschaffenen Lehrstuhl für Recht der Künstlichen Intelligenz an der Universität Tübingen übernommen. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die rechtlichen Implikationen der Künstlichen Intelligenz (KI), insbesondere mit Bezug auf Datenrecht und Daten-Governance. Fragen bezüglich KI und Nachhaltigkeit sowie Klimawandel stehen ebenso im Fokus des Lehrstuhls.

Michèle Finck, Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb, Universität Tübingen, Lehrstuhl für Recht der Künstlichen Intelligenz
Michèle Finck hat an der Universität Tübingen den Lehrstuhl für Recht der Künstlichen Intelligenz übernommen.

Ziel der Forschungsprofessur, die durch die Carl-Zeiss-Stiftung gefördert wird, ist ein interdisziplinärer Ansatz in Forschung und Lehre. Eine enge Zusammenarbeit etwa mit dem Tübinger Exzellenzcluster Maschinelles Lernen, dem KI-Zentrum und dem Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme ist geplant. An ihrem Lehrstuhl möchte Michèle Finck ein Team aus inländischen und internationalen Expert*innen für rechtliche Fragestellungen der Künstlichen Intelligenz aufbauen. In einer ersten Phase wird es an dem Lehrstuhl fünf Promotionsstellen sowie eine Postdoc-Stelle geben.


Vor ihrer Berufung an die Universität Tübingen war Michèle Finck seit 2017 als wissenschaftliche Referentin am Institut in der Abteilung Immaterialgüter- und Wettbewerbsrecht bei Reto M. Hilty tätig. Ihre Forschungsarbeit richtete sie vor allem auf die Bereiche Daten(schutz)recht und neue Technologien, insbesondere KI und Blockchain, sowie Daten-Governance. Als Affiliated Research Fellow bleibt sie dem Institut auch weiterhin verbunden.


Michèle Finck hat 2015 an der Universität Oxford im Europarecht promoviert. Neben ihrer Tätigkeit als wissenschaftliche Referentin am Institut umfasst ihr beruflicher Werdegang unter anderem Stationen als Fellow an der London School of Economics, als Dozentin für Europarecht am Keble College der Universität Oxford, als Fellow am University College London sowie als Gastdozentin im Bereich Recht und Technologie an mehreren europäischen Universitäten.

Mor Bakhoum, Leiter Max Planck Partnergruppe, Max Planck Institut für Innovation und Wettbewerb, Université virtuelle du Sénégal, “Regulation of the data economy in emerging economies”
Verschiedenes  |  12.08.2021

Max Planck Partnergruppe im Senegal gegründet

Die Max-Planck-Gesellschaft hat die Einrichtung einer Max Planck Partner Group als Partner des Instituts an der Université virtuelle du Sénégal in Dakar bewilligt. Ziel der Kooperation ist die gemeinsame Forschung zu Fragen des Datenzugangs und der Regulierung im Kontext nachhaltiger Entwicklung.

Mor Bakhoum, Leiter Max Planck Partnergruppe, Max Planck Institut für Innovation und Wettbewerb, Université virtuelle du Sénégal, “Regulation of the data economy in emerging economies”
Mor Bakhoum wird Leiter der neu gegründeten Max Planck Partnergruppe im Senegal.

Leiter der neuen Max Planck Partnergruppe wird Mor Bakhoum, der von 2009 bis 2018 als Senior Research Fellow am Institut tätig war und dem Institut seither als Affiliated Research Fellow verbunden ist. Darüber hinaus hält Mor Bakhoum am Munich Intellectual Property Law Center (MIPLC) weiterhin den Kurs “Competition Law in Emerging Markets” und betreut Masterarbeiten von Studierenden des MIPLC. Er leitet zudem die Doctoral School der Université virtuelle du Sénégal (UVS).


Der Partnergruppe, die ihren Sitz an der UVS hat, werden neben Mor Bakhoum als Leiter sieben Postdocs, zwei Promovierende und eine wissenschaftliche Assistenz angehören. Gemeinsam mit dem Team am Münchner Institut werden sie zu Fragen der Regulierung der Digitalwirtschaft und des Datenzugangs im Kontext nachhaltiger Entwicklung forschen. Geplant ist, Stellungnahmen und Publikationen zu veröffentlichen sowie Promovierende zu unterstützen, die an der UVS zu den Themen Daten und Digitalwirtschaft forschen. Die Forschungsaktivitäten innerhalb der Partnergruppe stehen in enger Verbindung mit dem Forschungsprojekt “Regulation of the data economy in emerging economies” des Instituts.


Die Max Planck Partnergruppen sind ein Instrument der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung von Nachwuchsforschenden in Ländern, die über wissenschaftliches Entwicklungspotenzial verfügen. Voraussetzung für die Einrichtung einer Partnergruppe ist, dass herausragende Nachwuchsforschende im Anschluss an eine Tätigkeit an einem Max-Planck-Institut in ihr Herkunftsland zurückkehren und dort an einem Thema weiterforschen, welches auch im Interesse des zuvor gastgebenden Instituts ist. Derzeit gibt es weltweit mehr als 70 solcher Partnergruppen.

Verschiedenes  |  28.07.2021

Call for Papers – RISE4 Workshop

Forscherinnen und Forscher, die beim “4th Research on Innovation, Science and Entrepreneurship Workshop” ein Paper präsentieren möchten, sind eingeladen, dieses bis zum 30. September 2021 einzureichen.

Bereits zum vierten Mal wird die zweitägige Veranstaltung von Promovierenden und Postdocs der Abteilung Innovation and Entrepreneurship Research unter der Leitung von Dietmar Harhoff organisiert, um jungen Forschenden die Möglichkeit zu geben, ihre Arbeiten vorzustellen.


Ziel des RISE4 Workshops am 6./7. Dezember 2021 ist, eine ausgewählte Anzahl herausragender Forschungsarbeiten von Promovierenden und Junior Postdocs eingehend zu diskutieren, Feedback zu geben sowie sich mit Kolleginnen und Kollegen anderer Forschungsinstitutionen zu vernetzen.


Keynote Speaker des RISE4 Workshops ist Catherine Tucker (MIT & NBER).


Bitte senden Sie Ihre Einreichungen als PDF an rise_workshop(at)ip.mpg.de.


Zum Call for Papers

Zur RISE4 Workshop Website

Verschiedenes  |  21.07.2021

Ökonomische Konsequenzen der Coronavirus-Pandemie – Diagnosen und Handlungsoptionen

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina legt in einer neuen Stellungnahme eine Analyse der wirtschafts- und sozialpolitischen Situation in Deutschland angesichts neuartiger Herausforderungen durch die Pandemie vor und leitet daraus mögliche Vorgehensweisen ab, um den anstehenden Strukturwandel zu bewältigen. Dietmar Harhoff war als Experte beteiligt und widmete sich Fragen rund um Strukturwandel und Wirtschaftswachstum sowie nach der Leistungsfähigkeit staatlicher Organisationen.

In vier Themenblöcken werden dabei zunächst Diagnosen des Status quo vorgelegt, bevor anschließend spezifische politische Handlungsoptionen vorgestellt werden. Dabei gibt die Stellungnahme unter anderem Antworten auf folgende Fragen:


  • Wirkungen der Pandemie auf den wirtschaftlichen Strukturwandel: Unter welchen Bedingungen können vorhandene Wachstumspotentiale gehoben werden? 
  • Mögliche Folgen der Pandemie für die Verteilung von Wohlstand und die soziale Ungleichheit: Wie können Entscheidungsträger reagieren in den Bereichen Bildung und Weiterbildung, Förderung der Geschlechtergerechtigkeit und der Ausgestaltung des Netzes der sozialen Sicherung?
  • Grenzen der Leistungsfähigkeit staatlicher Organisationen in der Krise: Was sind ihre Ursachen und wie kann man diese beheben? 
  • Tragfähigkeit der Staatsfinanzen: Welche Reformoptionen gibt es für die nationale Verschuldung? Wie relevant sind Kommunalfinanzen und das Investitionsgeschehen nach der Pandemie? 

Mehr Informationen auf der Website der Leopoldina.


Direkt zur Stellungnahme.

Porträt von Direktor Prof. Dietmar Harhoff, Ph.D.
Verschiedenes  |  15.07.2021

Dietmar Harhoff im Vorstand des neuen Zentrums für Ethik und Philosophie in der Praxis (ZEPP) an der LMU

Dietmar Harhoff gehört dem Vorstand des neugegründeten Zentrums für Ethik und Philosophie in der Praxis (ZEPP) an der LMU München an.

Porträt von Direktor Prof. Dietmar Harhoff, Ph.D.
Dietmar Harhoff ist im Vorstand des neugegründeten Zentrums für Ethik und Philosophie in der Praxis (ZEPP) an der LMU München.

Das ZEPP ist eine fakultätsübergreifende Forschungseinrichtung der Ludwig-Maximilians-Universität und hat das Münchner Kompetenzzentrum für Ethik abgelöst. Ziel des ZEPP ist, zur Diskussion und Lösung aktueller gesellschaftlicher Probleme beizutragen, indem es die Forschung und Lehre im Bereich der Ethik koordiniert, fördert und in die Gesellschaft trägt. Dabei dient das ZEPP interfakultär als Verbindungsstelle für herausragende Forschung und Lehre zu anwendungsorientierten Themen der Ethik und praktischen Philosophie. Darüber hinaus soll das ZEPP auch nach außen vernetzend wirken, die Verzahnung von Wissenschaft und normativer Reflexion in der Gesellschaft sichtbar machen und somit die Third Mission-Aktivitäten der LMU komplementieren.


Das ZEPP ist bestrebt, wichtige ethische Fragestellungen in Gesellschaft, Politik und Wissenschaft zu identifizieren und in Forschung, Lehre und öffentlichen Veranstaltungen zu thematisieren. Der gesellschaftliche und technologische Wandel der letzten Jahrzehnte bedeutet für die praktische Philosophie im Allgemeinen ebenso wie für das Feld der philosophischen Ethik im Speziellen einen Epochenwandel. Die ethischen Konsequenzen etwa künstlicher Intelligenz, des Klimawandels oder der Veränderung und Pluralisierung unserer Gesellschaften durch Migration beginnen sich erst in ihrer vollen Tragweite zu zeigen. Dies stellt die Gesellschaft zum einen vor praktische Probleme, da neuartige Konfliktfelder auch neuer, öffentlich begründbarer Lösungen bedürfen. Zum anderen erfordert es auch theoretische Reflexion, da traditionelle Begriffe und Prinzipien der philosophischen Ethik auf ihre Aktualität geprüft und gegebenenfalls modifiziert werden müssen.


Mehr Infos auf der Website des ZEPP.

“New directions in the European Union’s innovation policy?” Alumni Verein Max Planck Institut für Innovation und Wettbewerb
Veranstaltungsbericht  |  10.07.2021

Neue Richtungen in der Innovationspolitik der EU? – 17. Jahrestagung des Instituts gemeinsam mit dem Alumni-Verein

Am 9. Juli 2021 fand die diesjährige Alumni-Konferenz zum Thema “New Directions in the European Union’s Innovation Policy?” statt. Im Rahmen von zwei Panels mit insgesamt vier Keynotes erörterten die Teilnehmenden Fragen der Wettbewerbs- und IP-Politik der Europäischen Union aus interdisziplinärer Perspektive.

“New directions in the European Union’s innovation policy?” Alumni Verein Max Planck Institut für Innovation und Wettbewerb
Am 9. Juli fand die 17. Jahrestagung des Instituts gemeinsam mit dem Alumni-Verein statt.

In welche Richtung geht die Innovationspolitik der Europäischen Union? Können Gesetzgebungsvorhaben wie der Digital Markets Act (DMA) Europa fit machen für das digitale Zeitalter? Ist der europäische IP-Rechtsrahmen angesichts der technologischen Disruption noch geeignet, seine fundamentalen Funktionen zu erfüllen? Diesen Fragen widmete sich die diesjährige Alumni-Konferenz, die am 9. Juli zum 17. Mal vom Institut in Zusammenarbeit mit dem „Förderverein Freunde und ehemalige Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts für Innovation und Wettbewerb“ ausgerichtet wurde.
 

Aufgrund der anhaltenden Covid-19-Pandemie fand die Veranstaltung zum ersten Mal in einem Online-Format statt. Forschende und Alumni des Instituts sowie externe Gäste aus aller Welt nutzten die Gelegenheit für fruchtbare Diskussionen über den aktuellen und künftigen rechtlichen und politischen Rahmen für Innovation und Wettbewerb in digitalen Märkten in Europa. Eröffnet wurde die Veranstaltung durch Grußworte von der Vorsitzenden des Alumni-Vereins, Federica Togo, sowie vom Geschäftsführenden Direktor des Instituts, Josef Drexl.


Die Wettbewerbspolitik der Europäischen Union
 

Das erste Panel, das vom Direktor der ökonomischen Abteilung des Instituts, Dietmar Harhoff, geleitet wurde, widmete sich der Wettbewerbspolitik der EU. Christina Caffarra, Senior Consultant bei Charles River Associates und Gastprofessorin am University College in London, begann mit einem kritischen Blick auf die aktuelle Wettbewerbslandschaft und die Durchsetzung des Wettbewerbsrechts in der digitalen Welt. Sie äußerte im Rahmen ihrer Keynote massive Bedenken, unter anderem bezüglich eines strukturellen Vollzugsdefizits verbunden mit unzureichender Regulierung, die Datenschutzbedenken nicht ausreichend berücksichtigt. Ihr Beitrag enthielt einen kritischen Blick auf den Vorschlag für einen Digital Markets Act (DMA) und weitere Gesetzgebungsvorhaben im Vereinigten Königreich, den USA und Deutschland und warf die Frage auf, ob der aktuelle regulatorische Rahmen geeignet ist, Innovation zu fördern.
 

In der zweiten Keynote des ersten Panels befasste sich Rupprecht Podszun, Inhaber des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht, deutsches und europäisches Wettbewerbsrecht und Direktor des Instituts für Kartellrecht an der Universität Düsseldorf, mit dem Thema “Taking Decisions on Regulating Big Tech”. Er sprach sich für einen prinzipienorientierten Ansatz aus, den politische Entscheidungsträger verfolgen sollten, wenn sie wettbewerbsrechtliche Regeln gegenüber den großen Tech-Unternehmen durchsetzen. Die Präsentation legte ihre Schwerpunkte unter anderem auf die Frage, woher derartige Prinzipien kommen könnten (etwa aus Verfassungsdokumenten) sowie auf das Verhältnis zwischen Wettbewerbsrecht und grundrechtlichen Fragen, wie dem Schutz personenbezogener Daten, Nachhaltigkeit und dem Schutz der Konsumentenautonomie. Vor dem Hintergrund unterschiedlicher Marktmodelle erläuterte er in seiner Keynote verschiedene Interventionsmöglichkeiten.
 

Die Diskussion im Anschluss an die beiden Vorträge drehte sich unter anderem um die Frage, welche Ziele der Digital Markets Act verfolgt (falls überhaupt Ziele auszumachen sind). Diskutiert wurde auch die Frage, wie sich eine Wettbewerbspolitik rechtfertigen lässt, die darauf abzielt, Konsumenten zur Sicherstellung des Wettbewerbs mehr Souveränität und Wahlmöglichkeiten zu geben während sie gleichzeitig durch die Regulierung der großen Tech-Giganten den Komfort für eben jene Konsumenten einschränkt.


Die europäische IP-Politik
 

Das zweite Panel, das von Reto M. Hilty, Direktor in der juristischen Abteilung des Instituts, moderiert wurde, widmete sich der IP-Politik der EU. Katharine Rockett, Professorin an der Universität von Essex, legte in ihrer Keynote die ökonomischen Grundlagen für Schutzrechte dar, die in Bezug auf Daten oder Künstliche Intelligenz bestehen könnten. Sie zeigte zunächst die generellen Voraussetzungen auf, unter denen Schutzrechte für Daten gerechtfertigt sein könnten und legte dabei einen besonderen Schwerpunkt auf Fragen der Lizenzierung und Verbreitung. Nachdem sie erläutert hatte, wie sich Daten von traditionellen immaterialgüterrechtlichen Schutzgegenständen unterscheiden und welche Konsequenzen das für die Ausgestaltung des Immaterialgüterrechts hat, schloss sie ihren Vortrag mit einigen Überlegungen, wie Künstliche Intelligenz traditionelle IP-Paradigmen verändern könnte.
 

Aufbauend auf dieser ökonomischen Grundlage nutzte Matthias Leistner, Inhaber des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht und Recht des Geistigen Eigentums mit Informationsrecht und IT-Recht an der Universität München, seine Keynote, um aus rechtwissenschaftlicher Perspektive einen Überblick sowohl über die bestehende IP-rechtliche Situation in der EU als auch über anstehende Reformen zu geben. Vor dem Hintergrund eines neu aufkommenden Zugangs- und Portabilitäts-Paradigmas in der Gesetzgebung der EU, setzte er sich sowohl mit dem de lege lata Datenbankwerkschutz im Urheberrecht als auch mit dem sui-generis-Schutz für Datenbanken sowie mit Regeln zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen kritisch auseinander. Er wies insbesondere auf die Notwendigkeit hin, den sui-generis-Datenbankschutz abzuschaffen oder zumindest grundlegend zu reformieren. Anschließend gab Leistner einen Ausblick, wie die Europäische Kommission dies angehen möchte sowie auf andere Probleme im Zuge des anstehenden Data Act.
 

Die anschließende lebhafte Diskussion drehte sich unter anderem um das Problem übermäßig komplexer und sich überschneidender Regulierungsebenen zum Nachteil kleiner Marktteilnehmer, die Möglichkeit der Einführung neuer Registrierungssysteme für noch nicht registrierte Schutzrechte und den Vorteilen eines stärker wettbewerbsrechtlich orientierten Ansatzes zum Schutz von Datenbanken.

Cristiane Stülp bei der Arbeit im Serverraum
Verschiedenes  |  25.06.2021

Erste Frau schließt erfolgreich IT-Ausbildung am Institut ab

Cristiane Stülp hat als erste Frau erfolgreich ihre Ausbildung in der IT-Abteilung des Instituts abgeschlossen. Die 25-jährige Brasilianerin ist damit Vorbild für viele junge Frauen, die sich mit ihren Begabungen und Interessen auch in traditionell männlich konnotierten Bereichen der Arbeitswelt verwirklichen möchten. Sie erzählt ihre Geschichte und bestätigt im Interview, wie wichtig für Frauen dabei die Unterstützung auch im privaten Umfeld ist.

Cristiane Stülp bei der Arbeit im Serverraum
Cristiane Stülp bei der Arbeit im Serverraum. Foto: Andreas Kraus

Noch immer sind Frauen in IT-Berufen deutlich unterrepräsentiert. Nur knapp 8 Prozent aller Auszubildenden im Bereich Fachinformatik in Deutschland sind weiblich (Quelle: Statistisches Bundesamt, 2019). Die IT-Arbeitswelt gilt traditionell als Männerdomäne, obwohl z.B. Programmieren noch in den 1980er Jahren eine typische Frauen-Tätigkeit als Fleißarbeit für Bürokräfte war. Als Ausnahme galt etwa die amerikanische Informatikerin und Computerpionierin Grace Hopper, die ab Mitte der 1940er Jahre mit dem Mark I, dem ersten vollelektronischen Rechner der Welt, an der Harvard University arbeitete.


Dass Politik und Wirtschaft versuchen, Frauen vermehrt für IT-Berufe zu gewinnen, hat auch ökonomische Gründe: Wegen des Fachkräftemangels können freie IT-Stellen nicht mehr besetzt werden. (Quelle: Handelsblatt) Trotzdem haben junge Frauen in der IT-Branche nach wie vor mit Widerständen und Vorurteilen zu kämpfen.


Wir haben Cristiane Stülp nach Ihren persönlichen Erlebnissen auf ihrem Weg zur Fachinformatikerin gefragt und was sie als Vorbild jungen Frauen an Erfahrungen mitgeben würde.


Die junge Brasilianerin mit deutschen Wurzeln betont, dass zu Beginn ihres Weges ein ordentliches Maß an Risikobereitschaft nötig war, um überhaupt nach Deutschland zu gehen. Vorbildhaft war dabei ihre Familie. Gewissermaßen als weibliches Rollenmodell diente ihre ältere Schwester Marlise, die in Deutschland ein landwirtschaftliches Praktikum absolviert hatte. Cristiane Stülp hatte zunächst nur ein einjähriges Praktikum geplant – mittlerweile ist sie seit fast fünf Jahren in Deutschland.


Die Fachinformatikerin berichtet, dass ihre Familie in Brasilien einen landwirtschaftlichen Betrieb hat. Jedoch haben die Eltern nie Berufswege mit Erwartungen vorgezeichnet, sondern waren immer offen und unterstützend bezüglich der Berufswünsche ihrer Kinder. Als Erfahrung aus der Landwirtschaft hat sie ihre Durchsetzungsfähigkeit mitgenommen. Sie betont, sie habe keine Angst, als einzige Frau unter Männern zu arbeiten.


Ihr Interesse für die IT wurde auch im privaten Umfeld geweckt und gestärkt. Schon als Mädchen musste sie sich gegenüber ihren Brüdern behaupten, um ihren fairen Anteil an der begrenzten Computerzeit zu bekommen. Ihr Partner Jacob, der in der IT-Branche tätig ist, hat sie stets bestärkt, ihren Interessen in diesem Bereich nachzugehen und sich einen Ausbildungsplatz zu suchen. Hier war wieder Durchsetzungsvermögen und Hartnäckigkeit gefragt – sowohl beim Umgang mit den Ausländerbehörden sowie auf der Suche nach einem Ausbildungsbetrieb.


Bei Ihrer Berufswahl hat sie nie erlebt, dass ihr jemand von einer IT-Ausbildung abgeraten hätte – überrascht reagiert haben jedoch viele. Auch für die Kollegen war es Neuland, nicht mehr nur unter Männern zu arbeiten – Vorurteilen und Widerständen im IT-Team, das Cristiane Stülp mittlerweile augenzwinkernd „meine Männer“ nennt, ist sie aber nie begegnet. Vielmehr hat sie große Wertschätzung, Unterstützung und Förderung erfahren. Die Arbeit im gemischten Team hat sich bewährt. Die IT würde gerne mehr weibliche Auszubildende einstellen, es mangelt jedoch an Bewerberinnen. In der letzten Bewerbungsrunde lang ihr Anteil weit unter 5 Prozent. Bei internen Aufgaben sucht Cristiane Stülp gerne auch Verantwortung. Sie sieht als speziell weibliche Qualität an, dass sie organisatorisches Verbesserungspotenzial identifiziert und damit in der Gemeinschaft des Teams zu Lösungen mit größerer Nachhaltigkeit beiträgt.


Obwohl Frauen in männerdominierten Berufen tendenziell höhere Ausstiegsraten haben (Quelle: Accenture, 2020), will Cristiane auch nach ihrer Ausbildung in der IT tätig sein. Sie interessiert sich dabei besonders für die Systemadministration. Gerne arbeitet sie nach ihrer Ausbildung noch am Institut weiter.


Die Ausbildungs- und Prüfungszeit während der Corona-Pandemie brachte große zusätzliche Herausforderungen und auch persönliche Verluste mit sich – Cristiane Stülp hat all dies mit großer mentaler Stärke und Reife bewältigt. Sie betont auch, dass es auffallend war, dass ihr im Umfeld der Berufsschule sehr wenige jugendliche weibliche IT-Auszubildende, sondern eher selbständige erwachsene Frauen begegnet sind.


Nach ihrer erfolgreichen Ausbildung freut sie sich zuallererst auf das Wiedersehen mit der Familie in Brasilien, sobald dies wieder möglich ist. Am Ende des Gesprächs setzt sie ein wunderbares Schlusswort: „Ich, als Frau hier am Institut, bin einfach glücklich.“ Sie würde jederzeit wieder den gleichen Weg einschlagen.


(Das Interview wurde geführt von Myriam Rion, Hella Schuster und Ulrike Garlet.)