Deutschland verfügt über eine starke Forschungslandschaft, leistungsfähige Industrie und hochqualifizierte Fachkräfte. Dennoch gelingt es häufig nicht, technologische Innovationen schnell genug in marktfähige Anwendungen zu überführen – mit spürbaren Folgen für Wettbewerbsfähigkeit und Wertschöpfung. Der Transfer zwischen Forschung, Entwicklung und industrieller Skalierung bleibt eine zentrale Herausforderung für den Standort. Der Innovationsrat fordert daher eine Neuausrichtung der Innovationspolitik: weg vom kurzfristigen Denken in Legislaturperioden, hin zu einer langfristigen, faktenbasierten Strategie.
Acht führende Personen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft erarbeiten im Innovationsrat für eine stärker umsetzungsorientierte Innovationspolitik konkrete Empfehlungen. Während viele Debatten auf abstrakter Ebene geführt werden, richtet der Rat den Fokus konsequent auf die praktische Realisierung von Innovationen. Entscheidend ist dabei, unter welchen technologischen, regulatorischen und ökonomischen Bedingungen neue Lösungen tatsächlich in die Anwendung gelangen. Hier bringt sich der Innovationsrat als unabhängiges, interdisziplinäres Gremium eine technologieorientierte Perspektive in den innovationspolitischen Diskurs ein.
5 Impulse für den Innovationsstandort Deutschland
Der Innovationsrat fordert in seinen Impulsen für den Innovationsstandort Deutschland eine ganzheitliche Betrachtung des Themas Innovation und dessen Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Deutschland:
1. Langfristige Innovationsstrategie etablieren
Innovation darf nicht im Takt von Legislaturperioden gedacht werden. Deutschland braucht eine faktenbasierte, langfristige Strategie mit klaren Prioritäten bei Schlüsseltechnologien, Infrastruktur, Ressourcen und Fachkräften.
2. Regulierung innovationsfreundlich gestalten
Schnellere Verfahren, weniger Bürokratie und mehr Vertrauen sind erforderlich. Reallabore, Experimentierklauseln und der Abbau von „Goldplating“ sollen Innovation erleichtern – auch durch eine aktivere Rolle Deutschlands auf EU-Ebene.
3. Investitionen und Skalierung stärken
Schlüsseltechnologien erfordern langfristige Investitionen und Risikobereitschaft. Ziel ist es, Innovationen nicht nur zu entwickeln, sondern in Deutschland zu skalieren – durch bessere Rahmenbedingungen für Unternehmen, Start-ups und Kooperationen.
4. Bildung und Fachkräfte neu ausrichten
Ein innovationsorientiertes Bildungs- und Arbeitsmarktsystem ist zentral. Lebenslanges Lernen, Up- und Reskilling sowie die systematische Förderung von Talenten sind entscheidend, um Fachkräfteengpässe zu reduzieren.
5. Schlüsseltechnologien gezielt ausbauen
Deutschland muss bei Technologien wie KI, Mikroelektronik, Biotechnologie und Robotik wieder eine führende Rolle einnehmen. Voraussetzung sind wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen, ausreichend Energie sowie eine konsequente industrielle Umsetzung.
Die Initiative „Zukunft Deutschland 2050“ wurde vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) initiiert. Seit 2026 engagiert sich darin auch die Gesellschaft für Informatik, insbesondere im Bereich KI. Damit vereint der Innovationsrat die Expertise von zwei großen technisch-wissenschaftlichen Communities mit zusammen über 160.000 persönlichen Mitgliedern. Unabhängig von Einzelinteressen der Wirtschaft bündeln die Initiatoren ihre Stärken, um eine klare, sachorientierte Stimme in den innovationspolitischen Diskurs einzubringen.
Weitere Mitglieder des Innovationsrates sind:
Prof. Dr. Lutz Eckstein (RWTH Aaachen und Präsident des VDI)
Prof. Dr. Veronika Grimm (Technische Universität Nürnberg und Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung)
Prof. Dr. Jürgen Kühling (Universität Regensburg und bis 2024 Vorsitzender der Monopolkommission)
Dr. Anne Lamp (Gründerin und Unternehmerin im Bereich Circular Economy, traceless materials)
Dr. Melanie Maas-Brunner (vormals Vorstandsmitglied und Chief Technology Officer der BASF, Mitglied des Senats der Max-Planck-Gesellschaft, ab Juni 2026 Präsidenting des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft)
Adrian Willig (Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik sowie Direktor und geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des VDI)
Prof. Dr.-Ing. Martin Wolf (FH Aachen und Präsident der Gesellschaft für Informatik)
Mehr Informationen:
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