Das erste Panel, das von Marina Chugunova moderiert wurde, die seit 2018 Senior Research Fellow in der wirtschaftswissenschaftlichen Abteilung des Instituts ist, befasste sich mit dem Zusammenhang zwischen Innovation und neuer Geopolitik. Die Leitung des zweiten Panels übernahm Heiko Richter, der bis September dieses Jahres Wissenschaftlicher Referent in der juristischen Abteilung des Instituts war und im Oktober 2025 den Lehrstuhl für Privatrecht und Regulierung der digitalen Wirtschaft und Gesellschaft an der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer übernommen hat. Er betrachtete mit seinen Gästen Fragen zur Regulierung zwischen geopolitischen Herausforderungen und Deglobalisierung.
Panel “Innovation and New Geopolitics – Implications for Research”
- Prof. Dr. Fabian Gaessler (Universitat Pompeu Fabra)
- Prof. Dr. Carolin Haeussler (Universität Passau / Expertenkommission Forschung und Innovation)
- Prof. Dr. Hanna Hottenrott (TU München / Exzellenzcluster TransforM)
- Prof. Dr. Rupprecht Podszun (Monopolkommission / Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf)
- Dr. Marina Chugunova (Moderation)
Während der Podiumsdiskussion untersuchten Expertinnen und Experten aus den Bereichen Wirtschaft, Recht und Wissenschaftspolitik, wie geopolitische Spannungen die globale Forschungszusammenarbeit, die Mobilität von Fachkräften und den technologischen Wettbewerb verändern. Die Diskussion stützte sich auf historische Parallelen, aktuelle regulatorische Debatten und die Realitäten, mit denen Universitäten, Forschungsinstitutionen und Unternehmen konfrontiert sind. Ein zentrales Thema war die wachsende Verantwortung der Forschungsgemeinschaft, sich aktiv mit der Gesellschaft und Entscheidungsträgern auseinanderzusetzen, um sicherzustellen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse klar und aussagekräftig kommuniziert werden – in einer Zeit, in der Fehlinformationen und politische Polarisierung die evidenzbasierte Politikgestaltung zunehmend herausfordern.
Die Podiumsteilnehmer betonten, dass wir eine Phase der Neuausrichtung in Forschung und Innovation durchlaufen, die durch Verschiebungen in globalen Allianzen, strengere Kontrollen sensibler Technologien und neue Fragen zum Gleichgewicht zwischen Offenheit und Sicherheit gekennzeichnet ist. Die Expertinnen und Experten diskutierten, ob Innovation heute eher durch Wettbewerb oder durch Zusammenarbeit vorangetrieben wird, und erörterten dabei die Rolle der Big Tech, die Herausforderungen bei der Regulierung von Technologien, die sich schneller entwickeln als die rechtlichen Rahmenbedingungen, sowie die wachsende Bedeutung der Dual-Use-Forschung. Die Diskussion unterstrich, dass Resilienz in einem sich schnell verändernden Umfeld nicht nur eine effektive Governance, sondern auch gesellschaftliches Vertrauen erfordert.
Eine klare Erkenntnis kristallisierte sich heraus: Die Fähigkeit Europas, offen, glaubwürdig und strategisch agil zu bleiben, wird seine Position in der globalen Innovationslandschaft bestimmen.
Panel “Regulation Between Global Challenges and Deglobalization”
- Prof. Dr. Michèle Finck (Universität Tübingen)
- Prof. Dr. Henning Grosse Ruse-Khan (University of Cambridge)
- Dr. Malte Toetzke (Net Zero Lab / Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb)
- Prof. Dr. Peter Yu (Texas A&M University)
- Prof. Dr. Heiko Richter (Moderation)
Das Panel befasste sich mit der sich wandelnden Regulierungslandschaft an der Schnittstelle zwischen globalen Herausforderungen und Deglobalisierungsdruck und ging dabei der Frage nach, wie transnationale Themen wie KI, Klimawandel, geistiges Eigentum und Handel angesichts der zunehmenden nationalen Fragmentierung angegangen werden. Die Teilnehmenden untersuchten zunächst die Rolle der EU bei der Regulierung des digitalen Bereichs und der KI, wobei sie den Wandel der Union hin zu einem selbstbewussteren Regulierungsparadigma hervorhoben, welches sich im Spannungsfeld zwischen den Interessen der Mitgliedstaaten und der Notwendigkeit globaler Standards behaupten muss.
Beim Thema Klimawandel wurden das transformative Potenzial der KI in der Forschung und die uneinheitlichen Fortschritte bei den internationalen Bemühungen zur Dekarbonisierung erörtert, was sowohl die Chancen als auch die Grenzen der derzeitigen Regulierungsinstrumente verdeutlichte. Die Diskussion zu regulatorischen Denkweisen der USA und Chinas, insbesondere in den Bereichen Digitalisierung und geistiges Eigentum, zeigte unterschiedliche Prioritäten und Strategien auf, die durch den wirtschaftlichen und geopolitischen Wettbewerb geprägt sind. Zum Abschluss sprach die Runde über die Zukunft multilateraler Institutionen wie der WTO und analysierte dabei kritisch deren Schwächen als auch Chancen, in einer fragmentierten Welt regulatorische Kohärenz zu fördern.
Die Erkenntnis aus der Diskussion war, dass eine wirksame Regulierung heute erfordert, zwischen globalen Koordinierungsbedürfnissen und einer zunehmenden nationalen Zurückhaltung zu navigieren und zu vermitteln. Letztendlich verdeutlichte das Panel, dass Regulierung zunehmend als Balanceakt positioniert wird – nicht rein globalistisch oder streng national, sondern als flexibles Instrument, das sich an veränderte politische, technologische und wirtschaftliche Dynamiken anpassen muss.